Matthias Sprißler Tübingen
 

Basilika Weingarten

 



Aktueller Kommentar

Wenn  Seit einiger Zeit überlässt die vom Dekan geführte Gemeinde auf ihrer Internetseite Raum für Beiträge (im Sinne des Dekans) zum Thema Altarraum. Dort finden sich nun auch Zuschriften des Künstlers und von Mitgliedern, mit wiederkehrenden Aussagen: Mein Glaube profitiert von der Neugestaltung; wer richtig glaubt, wolle auch die Veränderung, ansonsten müsse man ihm angebliche Ängste nehmen und ihn emotional neu justieren; die zahlreichen Fürsprecher für den vorhandenen Altar werden mit Shitstorm gleichgesetzt, von Ängsten beherrscht. Sehr geehrte Frau Ziegler, Sie stehen für den Shitstorm-Vorwurf. Haben Sie vergessen, dass der Dekan großzügig sich über die kirchlichen Gesetze hinweggesetzt hat? (Erst kam von ihm der „shit“, dann der berechtigte und angemessene „storm“ als Antwort! Dass der Bischof die Verstöße duldet, ändert am Vorgehen nichts.) Gesetzesmissachtung für die Durchsetzung seiner Vision eines Umbaus der Barockbasilika, der sein Wirken in Weingarten noch Jahrzehnte überdauern kann. Der Dekan verspricht Diskussion ab Herbst, hat aber längst das Datum für die Neuweihe bekannt gegeben. Er redet von Baumängeln, aber ohne Nachweise. Dagegen wehren sich zurecht viele Menschen. Dass Ihnen persönlich der Altarentwurf gefällt, freut mich für Sie. Darum geht es aber nicht. Die Frage ist, ob das einzigartige Baudenkmal Basilika respektlos als Kulisse missbraucht werden darf. Die Geschichte in allen Kontinenten lehrt uns, dass zu oft am Anfang der Respekt vor Kultur, Literatur und Kunst und am Ende die Achtung anderer Völker und Religionen verloren gegangen ist. Wenn Sie der jetzige Altar - Abstand 25 m, Erhöhung ca. 1 m -  erdrückt, wird sich daran wenig ändern. Notfalls bietet die Gesamtkirchengemeinde Weingarten aber auch Gottesdienste ohne drückenden Barock in St. Maria und Hl. Geist an.
Sehr geehrter Herr Tsakalidis, ja, die Basilika ist kein Museum. Sie ist Kulturgut, das den Gläubigen zum Beten und Gottesdienst zur Verfügung steht. Jesus hat keine Tempel errichtet. Die Christen im Mittelalter hatten wirtschaftlich kaum andere Möglichkeiten als abzubrechen; unsere Generationen konnte sich erstmals den Kulturluxus leisten, alte Kunst zu bewahren und gleichzeitig neue Kunst zu finanzieren. Weingarten hatte die Barockkirche, musste zuvor im 18. Jahrhundert die alte romanische Kirche opfern, konnte aber im 20. Jahrhundert zusätzlich zwei moderne Kirchen bauen. Warum nun auch die dritte Kirche umfrisiert werden muss, konnte bisher noch niemand plausibel darlegen. Im Übrigen: Neu ist zunächst vor allem anders; ob es besser ist, ist eine andere Frage. Niemand zwingt uns, für das Wagnis des nächsten Schritts die Umgebung zu ändern. Wer wandert, such sich den ihm passenden Weg, und passt nicht den Berg an. Wer in barocker Umgebung beten möchte, geht nach st Martin, wer helle Quader bevorzugt, geht nach St. Maria. Glaube ist vielfältig, erträgt verschiedene Baustile.
Eine Gemeinde braucht einen guten Hirten, für den Demut und Respekt keine Fremdwörter sind. Einen Hirten, der Vorbild ist, aber nicht im Brechen der Gesetze. Der sich um die Gemeinde kümmert, nicht um Monumente zur Selbstverherrlichung. Wenn man beginnt, die Amtsjahre nach teuren Renommee Projekten zu zählen, - das Jahr des Altars, das Jahr des Tabernakels, das Jahr des Mantels, das Jahr der Bänke … , wird es Zeit, sich der Tradition des regelmäßigen Ortswechsels der Pfarrer zu besinnen.


Das Ende eines Altars?

Trauerspiel in 5 Akten und einem Finale

Es wirken mit: Ein Pfarrer, ein Gemeinderat, ein Kirchenvolk

Frühjahr 2026: Der lange Wunsch des Pfarrers nach Veränderungen an der barocken Basilika, seiner Kirche (- real gehört sie mit allen Altären dem Land -) soll in Erfüllung gehen. Er will den Innenraum neu erfinden, als letzter Baumeister nach Beer und Frisoni in die Baugeschichte eingehen

Rückblick. Die intakten Sitzbänke der Seitenschiffe wurden bereits herausgerissen. An ihre Stelle sollten schlichte Quader treten, ein Brett hoch, eines quer, eines runter. 50 solche neuen Quader ohne Lehne a 1.000 €. Man gönnt sich ja sonst nichts. Man hätte natürlich auch tausend Kinder in Not medizinisch betreuen können, aber was solls, die intakten Bänke mussten einfach mal raus.

März 2026: Das Kirchenrecht wird gebrochen. Alles, was die Gesetze verlangten, wurde missachtet. Die Ankündigung der Sitzung und deren Öffentlichkeit, auch die Zusammensetzung der Teilnehmer.

Freitag, der 13.:  Zufall oder Absicht? An diesem 13.3.26 fand sie statt, die geheime Sitzung, in der nach kirchlichem Recht kein gültiger Beschluss hätte gefasst werden können. Genial: Man holte als Moderator einen Mann des Ordinariats hinzu, das konnte für eine spätere aufsichtsrechtliche Prüfung durch das Ordinariat nur hilfreich sein. Und dann wurde er gefasst, der ominöse Beschluss zum Abbruch des kunstmarmornen Altars im Zentrum der Basilika und zur Neuerrichtung eines Quaders in weiß oder grau. Ohne, dass es damals überhaupt einen Haushalt gegeben hat. Für 150.000 €. Kirchensteuer der Christen dieses Landes. Später informiert der Pfarrer mit einer Pressmitteilung.

Mai/Juli 2026: Die Rechtsaufsicht im bischöflichen Ordinariat entscheidet sich mit Billigung des Bischofs zum schlichten Wegsehen. Zum Übersehen, dass die Öffentlichkeit vorgeschrieben war. Dass die Ankündigung fehlte. Dass die Gemeindeordnung Beschlüsse in solchen Sitzungen ausdrücklich verbietet. Wäre ja auch peinlich gewesen, nachdem der Pfarrer ein selbst mit Aufsichtsaufgaben betrauter Dekan ist, an jenem 13. sogar noch aus Rottenburg unterstützt wurde.

Nun fehlt nur noch das Finale. Die Akteure haben es noch in der Hand, einen tragischen oder einen offenen Ausgang zu wählen:

Tragödie: Augen zu und durch. Legal oder illegal ist doch egal. In wenigen Stunden wird der Kleinbagger oder der Bohrmeißel den Altar zertrümmert haben, und wenn man dann den neuen Quader neben den Priesterhockern sieht, wird das Wehklagen einiger Petenten im Jubelchor des vom Pfarrer dirigierten Gemeinderats untergehen:

1. Großer Schm…  wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke .
Vor dir neigt St. Martin sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, 

so bleibst du in Ewigkeit.


2. Alles, was dich preisen kann,
Kerubim und Serafinen
stimmen dir ein Loblied an,
alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh
"Weg mit dem Tisch des Mahles" zu.

Komödie: Neue Beschlussfassung, Beachtung aller Gesetze, vielleicht eine geheime Abstimmung der Gemeindemitglieder als Beratungshilfe, sorgfältige Abwägung, ob das Endprodukt 150.000 € Mehrwert gegenüber dem Istzustand besitzt und ob alle wichtigeren Aufgaben schon erledigt sind.
Als Schlusschor, nach Bekanntgabe der Abstimmung im Rat, bewegt sich alternativ eine Gruppe Blutreiter mit barocken Standarten auf den erhaltenen Altar zu bzw. ein Kleinbagger vom Trümmerfeld des Altars weg über die Bühne:

Im Frieden dein, oh mein Dekan,
lass ziehn mich meine Straßen.
Wie mir dein Mund gegeben kund,
ehrst Recht du ohne Maßen,

hast deinem Volk im Kuppellicht
den Blutaltar belassen

Alternativ:
… hat nun dein Volk im Kuppellicht
den Blutaltar zerschlagen.


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